Verkehrschaos in Luzern: GLP will neuen Stadttunnel und Bus-Rundkurse


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KONZEPT ⋅ Die Grünliberalen stellen dem Agglomerationsprogramm des Kantons ein eigenes Konzept gegenüber. Es enthält alte Ideen wie die Metro – aber auch neue wie Bus-Rundkurse. Das Ziel: die Stadt Luzern vor dem Verkehrskollaps bewahren.

20. Oktober 2017, 05:00

Alexander von Däniken
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So viel vorweg: Das «Verkehrskonzept Luzern» der kantonalen GLP wird nicht allen Autofahrern gefallen. Denn der «Gegenvorschlag zum Agglomerationsprogramm der dritten Generation» des Kantons, der unserer Zeitung exklusiv vorliegt, sieht eine konsequente Bevorzugung des öffentlichen Verkehrs und des Langsamverkehrs vor.
Die dritte Version des Agglomerationsprogramms mit Massnahmen wie dem Durchgangsbahnhof und dem neuen Autobahn-Bypass liegt bereits beim Bund. Vorgesehen ist, dass die entsprechenden Bundesmittel ab 2019 freigegeben werden. Vor diesem Hintergrund ist das Verkehrskonzept der GLP nicht als offizieller Gegenvorschlag zu verstehen, sondern als Diskussionsgrundlage, wie GLP-Präsident Roland Fischer erklärt. Das Konzept sieht folgende Rahmenbedingungen vor: Verkehrszunahme von heute bis ins Jahr 2040 um rund 50 Prozent, maximal gleich hoher Kostenrahmen wie beim Agglomerationsprogramm (die dringendsten Massnahmen kosten den Kanton 225 Millionen Franken) und neue Strassen gibt es nicht zur Kapazitätserweiterung für den Autoverkehr, sondern als Ersatz von bestehenden Verbindungen.

ÖV und Velos vor Autos

Das Verkehrskonzept wollen die Grünliberalen an der Versammlung vom kommenden Montag in Kriens ihren Mitgliedern vorstellen. Es sieht folgende Hauptmassnahmen vor:
• Durchgangsbahnhof Luzern inklusive zusätzlicherS-Bahn-Haltestellen Kreuzstutz, Ruopigen und Steghof. Die Haltestelle Mattenhof soll zu einem Umsteigebahnhof ausgebaut werden.
• Metro vom Schwanenplatz bis zum Ibach. Dort soll ein Parking für Cars und Autos eingerichtet werden.
• Durchgehende Busspuren; zum Beispiel auf den Strecken Eichhof–Schlossberg–Ebikon, Bahnhof Luzern–Bahnhof Emmenbrücke oder Bahnhof Emmenbrücke–Kriens Mattenhof und Kreuzstutz–Schlossberg.
• Bus-Rundkurse; zum Beispiel Bahnhof Luzern–Schlossberg–Spitalstrasse–Kreuzstutz–Pilatusplatz sowieBahnhof Luzern–Paulusplatz–Steghof–Werkhof¬strasse (siehe Grafik).
• Velostrassen; etwadieStrecke Horw–Mattenhof–Steghof–Rösslimatt–Luzern Bahnhof–Luzernerhof–Schlossberg. Zudem soll das Velonetz ausgebaut werden; zum Beispiel auf der ¬Maihofstrasse, Tribschenstrasse und Bernstrasse.
• Voraussetzung für die durchgehenden Busspuren, die Bus-Rundkurse und die Velostrassen sind autoarme Zonen. In diesen haben Velos und Busse Priorität. Jeweils am Anfang und Ende der Zonen soll es eine automatische Nummernschild-Registrierung für Autos geben. Mit diesem «Road Pricing» sollen Autos und Lieferwagen in die Zone fahren können, müssen dort aber für eine bestimmte Dauer bleiben. Wer nur durchfährt, muss mit einer Gebühr rechnen. Autoarme Zonen stellt sich die GLP auf folgenden Strecken vor: Luzernerhof–Bahnhofplatz (inklusive Parkhaus Bahnhof und Bahnhof-Vorfahrt), Löwenplatz–Schlossberg (inklusive Wesemlinstrasse bis Klosterplatz), Spitalstrasse, Renggstrasse/Cheerstrasse–Bernstrasse–Baselstrasse.
• Mobility-Hubs, die den individuellen Autoverkehr mit ÖV und Langsamverkehr verbinden. Dazu kommen Park&Ride, Car- und Velo-Sharing.
• Fussgängerzonen: Als Anregungen schlägt die GLP Flaniermeilen an der Bahnhof- und der Sempacherstrasse vor, aber auch die Verbreiterung von bestehenden Fusswegen auf der Seebrücke und am Schweizerhofquai.
• Zwischen Verkehrshaus/Seeburg und Tribschen soll ein Schiffshuttle zum Einsatz kommen. Per Schnellboot können so Fussgänger und Velofahrer rasch über das Luzerner Seebecken gelangen.
• Weil die Seebrücke, der Schweizerhofquai sowie die Zürich- und die Haldenstrasse in autoarmen Zonen liegen, würde zusätzlicher Umfahrungsverkehr entstehen. Dem will die GLP mit einem neuen Verbindungstunnel von der Haldenstrasse bis zum Friedental begegnen.
Stichwort Umfahrung: Die GLP hat die neue Stadtautobahn Bypass bisher stets kritisch beurteilt. Um die bestehende Autobahn A2 zu entlasten, schlägt die Partei vor, andere Massnahmen zu prüfen – vom Potenzial neuer Konzepte wie fahrerlose Autos bis zu einem Ausbau des S-Bahn- oder Metrosystems. Als zweite Priorität soll eine Art «Bypass light» geprüft werden: ein neuer Umfahrungstunnel vom Friedental bis zur Autobahnausfahrt Kriens mit einem Halbanschluss im Lochhof und nur einer Röhre mit Gegenverkehr. Definitiv soll laut den Grünliberalen die Autobahnausfahrt Luzern Zentrum geschlossen werden. Das mindere den Verkehrsfluss durchs Zentrum und biete Chancen für eine städtebauliche Entwicklung des Kasernenplatzes.
Die GLP hat im Konzept auch Begleitmassnahmen vorgesehen. So sollen Car- und Velo-Sharing gefördert und zusätzliche Tempo-30-Zonen im Zentrum geprüft werden.